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Urban Commons

von Dennis Freischlad

Als holländische Segler im 16. Jahrhundert eine tropische Insel im Glas der schweren Fernrohre erblickten, konnten sie noch nicht ahnen, dass Mauritius mehr hielt, als all ihr Immergrün versprechen konnte. Land, das bedeutete das Ende von geschmacksneutralem Zwieback, eingelegtem Käse und in Salzberge getrockneten Fischen! Ein Seemannslied also auf baumfrisches Obst und Fleisch, gerade, wenn der Träger des Letztgenannten nicht die Absicht hat, das eigene Leben durch Flucht oder Kampf in Sicherheit zu bringen: Als die Männer an Land gingen, sprang ihnen der neugierige Dodo bereitwillig vor die Füße. Der gewichtige Vogel, der auf der Insel ein derart feindloses Leben führte, dass ihm im Laufe der Jahrhunderte Flügel und Misstrauen abhanden kam, wusste nicht, wie ihm geschah, als man ihn dankbar zu Futter verarbeitete und der letzte seiner Art bald aus Mauritius und der Welt hinfortgespeist war.

Ähnlich erging es dem Moa Nalo, als die Polynesier auf Hawaii eintrafen, um nicht wieder in See zu stechen. Da das Entenvöglein aller sagenumwobenen Seemannsgarne nach wesentlicher besser mundete als der lasche, weil widerstandlose Dodo, ist der Moa Nalo ein gutes Beispiel für das, was man als die Tragödie der Commons (Allmende) bezeichnet.

Commons, darunter verstand man früher Kronweideland, das gemeinsam von Bauern und Hirten bewirtschaftet wurde und somit unter deren regulierende Obhut fiel. Heute stehen Commons für verschiedene Gemeingüter, seien es die Weltmeere, Straßen, Ölfelder, Bibliotheken, Plätze wie der Ebertplatz usw, sprich: Von einer Gemeinschaft benutzte und verwaltete Ressourcen, die als dritte
Ordnung zwischen Markt und Staat fungieren. Gelten für den privaten und den öffentlichen Sektor strukturelle Auflagen und Rechte, denen bei Bedarf eine eindeutige Gesetzeslage hinzuzuziehen ist,
unterliegen Commons allein der kollektiven Verantwortung derer, die sie nutzen und teilen.

Mit Blick auf den Moa Nalo lässt sich sehr schnell ausmachen, warum es laut dem Biologen Garett Hardin die Tragik allen Gemeinguts ist, kollektiver Eigenverantwortung nicht gewachsen zu sein. Anstatt den kulinarischen Nutzen des Enterichs derart zu regulieren, sodass er den Hawaiianern als hochwertige
Nahrungsquelle für alle Zukunft erhalten bleibt, musste jeder Einzelne einsehen, dass es vorrangig war, sich und seine Familie sofort und ausführlich zu nähren. Jeglicher Verzug hätte in Folge der Nichtregulierung bedeutet, dass trotz des eigenen Verzichts, der sich im Sinne der Gemeinschaft vom Mund abgespart wurde, alle übrigen ihre Mägen weiterhin füllen, während der Moa Nalo so eh wie
je dezimiert und von der Erdoberfläche gefuttert wurde.

Heutzutage unterliegen die Commons noch immer dem gleichen inhärenten Dilemma, sobald Ressourcen niemandem gehören und einem Haufen Einzelner zur Verfügung stehen. Da es für den Einzelnen unweigerlich sinnvoll ist, sich so zu verhalten, dass er die Gesamtsituation für alle verschlechtert, glaubte man lange an kein Ende dieser allzumenschlichen Tragödie, die sich auch heute über Gebühr aus Übernutzung und Missmanagement zusammensetzt. Rückblickend ist von nicht seltener Ironie umgoldet, dass die Stipendiumvergabe an jene Frau, die wie niemand anderes Lösungsansätze für die Tragödie der Commons aufzeigen sollte, aufgrund der „Verschwendung knapper Ressourcen“ beinahe nicht zustande gekommen wäre.

Mit diesen Worten argumentierten ihre Kollegen vor über fünfzig Jahren gegen Elinor Ostrom, da sich Frauen zu jener Zeit kaum Hoffnung auf eine Professur machen konnten. Das Ergebnis des Vertrauens in die Wirtschaftswissenschaftlerin sind 1000 Fallstudien, die sich mit dem nachhaltigen Management regionaler Ressourcen befassen. Ob es um Polizeiarbeit in St. Louis, Bewässerungssysteme in Nepal oder Hummerfischer in Maine geht: überall zeigt sich, dass neben beständigen Ordnungsstrukturen und Sanktionen insbesondere die Größe der verantwortlichen Gruppe entscheidend über den Erfolg ihrer Handlungen ist, wobei gilt: umso kleiner eine Gemeinschaft, desto wirksamer verwaltet und organisiert sie. Da sich kleine Gruppen verstärkt an sozialen Normen orientieren und stets der Verlust von Ansehen und Status auf dem Spiel steht, fällt es den Verantwortlichen leichter, eine gerechte und kostengünstige Überwachung der Handlungsläufe einzuhalten und das Wohlergehen der Gemeinschaft dem eigenen gleichzusetzen.

Immer ist es das gleiche Spiel: Der von den Bürgern verwaltete und geschaffene Freiraum, der sich zwischen Markt und Staat etabliert, gerät im schwindelerregenden Maße in Gefahr, sobald ideelle Bestreben von Wirtschaftsinteressen aufgegriffen werden und Werte ins Visier von Konzernen geraten.

Sei es, dass Nestlé seine Lobbyisten und Anwälte erstreiten lässt, Wasser als Grundrecht abzuschaffen, oder viele Unternehmungen gerade dann profitabel werden, wenn das Prinzip des Teilens vor
allem Renditen dient.

Unter der Schirmherrschaft der CityLeaks Akademie untersuchen Künstler,Wissenschaftler, Bürger, Politik und Verwaltung neue Ansätze und Regulierungen für den städtischen Raum, der uns allen zum Leben reichen muss. Dazu zählen insbesondere eine Informationskultur und Wissensallmende, die sich durch die technologische und digitale Revolution derart schnell verändern, dass sie vor zwanzig Jahren noch nicht existierte und in zwanzig Jahren wiederum einen Quantensprung aufs virtuelle Parkett gelegt haben wird, der heute kaum vorherzusehen ist.

Die Chancen für eine bessere Welt stehen gut. Leider sind die Chancen, dass dem Nutzen eine Abnutzung zuvorkommt, mindestens genauso hoch.

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artrmx e.V.  | CityLeaks Urban Art Festival

Hospeltstraße 69
50825 Köln, GER
+49 (0)221 29 49 69 59
info@cityleaks-festival.com

© 2016 ALL RIGHTS RESERVED, artrmx e.V.

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CityLeaks Programm 2017

Hier gibt es viele spannende Workshops und Kunstprojekte zu entdecken. Mitmachen erwünscht. Informationen zu den Deadlines unter OPEN CALLS.

Das Festival startet am 01. September mit einer Eröffnungsfeier auf dem Ebertplatz. Am Samstag den 02. September geht es dann mit dem Grand Opening mit Livemusik, Aftershowparty und vielen Ausstellungseröffnungen der kooperierenden Galerien weiter.

Ausstellungen, Workshops, Podien, Vorträge und Stadtspaziergänge, Performances, Urban Hacking, Murals, Installationen, u.v.m.

Der Infopoint des Festivals auf dem Ebertplatz ist täglich von 10 bis 18 Uhr geöffnet.

  • Informationen zum Programm und Festival
  • BesucherInnenumfrage zum Festival
  • Anmeldungen für den Speaker’s Corner (täglich von 17:50 bis 18 Uhr) hier

Viel Spaß!

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CityLeaks Akademie 2017

Unter dem Titel „Sharing Cities“ eröffnet die vierte Ausgabe des CityLeaks Urban Art Festivals. Die globale und explosionsartige Urbanisierung führt zunehmend zu einer Ausbeutung und ungerechten Verteilung von Ressourcen und Verschmutzung der Umwelt. Kommerzialisierung und soziale Fragmentation bestimmen bis heute einen großen Teil unserer Städte. Der Ruf nach einer nachhaltigen Stadtentwicklung und einer Gesellschaft, die auf Commons (Gemeingütern) aufbaut, ist groß, und das Teilen von Ressourcen, Gütern, Wissen, Erfahrungen, etc. wird immer notwendiger.

Gemeinsam erforschen KünstlerInnen, Laien, und ExpertInnen in der transdisziplinären CityLeaks Akademie die Möglichkeiten einer lebendigen, nachhaltigen, und kreativen Stadt. Die -auch- kritische Auseinandersetzung mit Konsum, Raum und Digitalität steht im Fokus der Akademie. Unterstützt werden wir von KünstlerInnen, WissenschaftlerInnen und ExpertInnen, die sich zusammen mit dem Publikum den Herausforderungen einer “Sharing City” stellen. Sie erörtern mit uns Fragen zu urbanen Transformationen und wie BürgerInnen daran teilhaben könnten, forschen zu solidarischer Ökonomie, Konsum, Bedürfnissen, Beschleunigung und Digitalität. Und sie laden uns ein, in unterschiedlichen Workshops ein wenig tiefer einzutauchen und mitzumachen. Die Inhalte der Akademie werden im Prozessraum auf dem Ebertplatz dokumentiert. Zudem können alle Vorträge per Livestream auf unserer Website mitverfolgt werden.

Die CityLeaks Akademie ist mitten im Stadtgeschehen verortet. Für 2017 ist ihr Ort das Festival Center auf dem Ebertplatz. Hier findet ein großes Angebot an Workshops, Podien, Vorträgen und Stadtspaziergängen uvm. statt.

Hier geht es weiter mit Informationen zu den TeilnehmerInnen sowie zum Programm!

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Journal "Sharing Cities"

In unserem Journal findet ihr allerlei Hintergrundgeschichten, Interviews und Eindrücke vom Festival. Im Laufe der Festivalzeit wird das Journal stetig wachsen und euch informieren.

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CITYLEAKS URBAN ART FESTIVAL

Der Infopoint des Festivals auf dem Ebertplatz ist täglich von 10 bis 18 Uhr geöffnet.

Vom 01. bis 24. September 2017 findet die vierte Ausgabe des internationalen CityLeaks Urban Art Festival statt. 2017 interveniert das Festival unter dem Titel “Sharing Cities” in der Kölner Altstadt-Nord. Die Verbindung von Kunst und Stadt als Motor, Utopien, Ideen und Konzepte von Urbanität zu denken, ist ein zentraler Aspekt von CityLeaks.

Die Schirmherrin des Festivals ist Gabriele Hammelrath (SPD, MdL)

CityLeaks ist ein biennales Festival für zeitgenössische urbane Kunst und Kultur und das seit 2011. Der öffentliche Stadtraum ist unser Aktionsort und die Kunst das Medium. CityLeaks begibt sich im September auf eine dreiwöchige urbane Expedition. Unterstützt werden wir von vielen Akteuren, aber vor allem von den KünstlerInnen. Sie geben Impulse und erobern den öffentlichen Raum in Köln: Hausfassaden verwandeln sich in großformatige Gemälde, Performances durchmischen das alltägliche Stadtgeschehen, Lichtinstallationen und Videoprojektionen machen die Architektur zu Stars der Nacht und konzeptionelle Kunstprojekte dringen in urbane Systeme ein. Insgesamt besuchten bisher weit über 100 internationale KünstlerInnen auf Einladung von CityLeaks Köln. Genres wie Performance, Urban Hacking, Installation, Mural-Malerei oder Neue Medien zeigen ein große Bandbreite zeitgenössischer urbaner Kunst. CityLeaks erschließt vernachlässigte Orte, bespielt außergewöhnliche Architektur und strebt nach partizipativem Kunsterleben. Ausstellungen, Touren, Gesprächsrunden, Workshops und Musik erweitern das Programm. Die Zusammenarbeit und der Austausch mit lokalen, regionalen und (inter) -nationalen Netzwerken aus Kultur, Politik, Wissenschaft und Wirtschaft, der Dialog mit BürgerInnen, Nachbarschaften und Publikum sowie die Förderung von Teilhabe an kreativen Diskursen zum Thema Stadt zeichnen den Charakter des Festivals aus.

CITYLEAKS FESTIVAL CENTER - EIN PLATZ FÜR ALLE

Als Sitz des Festival Centers wird CityLeaks im September einen Ort bespielen, der für das städtische Gemeinwesen sowie den Kölner Enthusiasmus für städtebauliche Großprojekte symbolträchtiger kaum sein könnte: Der Ebertplatz in der nördlichen Kölner Innenstadt.

Das Berliner Künstler- und Architektenkollektiv ON/OFF baut im gemeinschaftlichen Prozess mit allen Interessierten ein organisches und wandlungsfähiges Festival Center zu gestalten, das den Platz durch Tribünen in eine Arena verwandelt. Den BesucherInnen bietet es Möglichkeiten zum Verweilen, Arbeiten und Austausch sowie eine temporäre Bühne an. Im Festival Center am Ebertplatz entsteht ein Ort zum gemeinsamen Denken, Handeln und Verweilen. Das Festival Center bietet vom 1. bis zum 24. September 2017 Freiräume für künstlerische, soziale, nachhaltige und subversive Interventionen und gewährt Einblick in den wissenschaftlichen Diskurs zum Themenbereich Urban Commons. Denn was macht eine Stadt lebenswert? Wie viel möchte ich mitgestalten? Wie viel Ich ist Stadt? – das sind Fragestellung, zu denen die eingeladene KünstlerInnen und TeilnehmerInnen der CityLeaks Akademie gemeinsam mit BürgerInnen gebeten werden, Stellung zu beziehen.

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CITYLEAKS FESTIVAL CENTER - EIN PLATZ FÜR ALLE

Als Sitz des Festival Centers wird CityLeaks im September einen Ort bespielen, der für das städtische Gemeinwesen sowie den Kölner Enthusiasmus für städtebauliche Großprojekte symbolträchtiger kaum sein könnte: Der Ebertplatz in der nördlichen Kölner Innenstadt.

Das Berliner Künstler- und Architektenkollektiv ON/OFF baut im gemeinschaftlichen Prozess mit allen Interessierten ein organisches und wandlungsfähiges Festival Center zu gestalten, das den Platz durch Tribünen in eine Arena verwandelt. Den BesucherInnen bietet es Möglichkeiten zum Verweilen, Arbeiten und Austausch sowie eine temporäre Bühne an. Im Festival Center am Ebertplatz entsteht ein Ort zum gemeinsamen Denken, Handeln und Verweilen. Das Festival Center bietet vom 1. bis zum 24. September 2017 Freiräume für künstlerische, soziale, nachhaltige und subversive Interventionen und gewährt Einblick in den wissenschaftlichen Diskurs zum Themenbereich Urban Commons. Denn was macht eine Stadt lebenswert? Wie viel möchte ich mitgestalten? Wie viel Ich ist Stadt? – das sind Fragestellung, zu denen die eingeladene KünstlerInnen und TeilnehmerInnen der CityLeaks Akademie gemeinsam mit BürgerInnen gebeten werden, Stellung zu beziehen.

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