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Geteiltes Bier, geteilte Gedanken, geteilte Städte.

von Pascal Dombrowicz

Menschen teilen! Manchmal freiwillig, manchmal gezwungenermaßen, aber meistens doch irgendwie gedankenlos. Sie teilen Raum und Zeit, Ressourcen, Verkehrsmittel und Wissen, aber auch Ängste, Erfahrungen und Meinungen. Manchmal einfach nur Bier – oder den gleichen Vornamen.

Ich treffe Georg Barringhaus, Georg Dietzler und Lia Sáile, um gemeinsam über das CityLeaks Festival und ihre Projekte zu sprechen. Georg Barringhaus, als künstlerischer Leiter des Festivals, eröffnet das Gespräch.

Wie kann ein gemeinschaftlicher Umgang mit städtischen Gütern und Ressourcen aussehen? Wie können sich auch die Bürger in der Stadtgestaltung engagieren und was sind zukünftige Modelle der Urbanität? Alles in Zusammenhang zu dem Leitgedanken der Urban Commons und Sharing Cities.

Sharing Cities – das Thema des diesjährigen Festivals. Aber wie setzen Künstler, Kuratoren und Kooperationspartner diese Thematik um?

Was unterscheidet ein Haus von einem Zuhause und was ist Heimat?

Lia Sáile schöpft von der Realität, aber sie gestaltet sie auch. Sie greift Wirklichkeitsbezogenes auf und verfremdet dieses. Sie ist Konzept- und Medienkünstlerin und beschäftigt sich in ihren Arbeiten thematisch vor allem mit Grenzen und Interkulturalität.

 

 

In Kooperation mit dem CityLeaks Festival zeigt sie im Sightfenster ihre Arbeit „HOME AWAY FROM HOME“. Was unterscheidet ein Haus von einem Zuhause und was ist Heimat? Das Gebäude am Hansaring dient hier nicht nur als Austellungsort, sondern rückt auch selbst in den Vordergrund. Hinter den Fenstern, in denen sie ihre Arbeit präsentiert befindet sich ein Heim für Asylbewerber.

Anstatt Grenzen und Mauern wählt sie ein architektonisches Verbindungselement und wählt Türen als Motiv. Fiktive Türen aus Krisenregionen, die sie nachstellt, aber auch ein Duplikat der Eingangstür des Heimes selbst. Sie ist die Verbindung ihrer Arbeit und dem Gebäude, kann aber auch zur Verbindung zwischen Betrachter und Gebäude werden. Das kommt ganz auf jeden selbst an.

„Was passiert hinter den Türen? Was habe ich für eine Vorstellung von dem Fremden in meinem gewohnten Lebensraum? Wen lasse ich rein? Wem gebe ich Zutritt? Welche Erwartungen habe ich gegenüber jemanden, der mir seine Tür öffnet und wie weit möchte ich meine eigene Tür öffnen?“

„Wer bin ich und welche Rolle spielst du dabei?“

Politische Fragen, aber auch die Frage nach der eigenen Rolle in einem Miteinander werden so auf einer privateren Ebene untersucht. Heimat. Zuhause. Haus. Themen, die sie anstatt der eigentlichen Migration anspricht. Gleichzeitig auch die Frage nach Raum, Kapazitäten und Angst. Türen können verbindend sein, müssen es aber nicht. Sie dienen ebenfalls als Schutz oder Abgrenzung.

„Ängste sind menschlich und haben eigentlich einen Nutzen Es ist okay, sie zu haben. Wichtig ist aber dabei der Umgang mit der Angst, also, sich mit ihr auseinanderzusetzen, zu reflektieren und vor allem mit anderen in den Austausch zu gehen. Es ist wichtig, sich selbst zu fragen: Wer bin ich und welche Rolle spielst du dabei?” 

Türen und Heimat sind auch bei Georg Dietzler von Bedeutung. Jedoch auf ganz andere Art und Weise: Er bespielt den Stavenhof, die Straße, in der er selbst lebt und hofft auf die offenen Türen seiner Nachbarn.

 

 

Im Stavenhof – die Eigendynamik der Nachbarschaft

Als Veranstalter im Bereich experimenteller Musik, Medien- und Klangkunst arbeitet er zusammen mit den Künstlern und Komponisten Bill Dietz und Jordan Topiel Paul. Mit Hilfe eines lokalen Intranets und sowohl digitalen als auch analogen Spielanleitungen wollen sie gemeinsam mit der Nachbarschaft des Stavenhofes ein dreistündiges Klangerlebnis kreieren.

Dabei sollen die Bewohner ihre Türen und Fenster öffnen und über ihre eigenen Heimstereoanlagen die Straße mit der musikalischen Inszenierung beschallen. Ein partizipatives Projekt, bei dem sich erst im Laufe der Zeit zeigen wird, ob seine Rechnung aufgeht – und die Türen.

„Zunächst stehen Gespräche mit den Nachbarn an. Wer ist bereit mitzumachen? Eventuell entwickelt sich dadurch eine Eigendynamik in der Straße. Ich möchte dabei eher Ansprechpartner sein. Jemand, den sie kennen und auf den sie auch zugehen können, wenn sie Fragen zu dem Projekt haben. Auf der Straße, beim Bäcker oder beim spazieren gehen.“

 So entsteht unter Menschen, die sich sonst nur die Straße teilen durch das lokale Intranet eine kleine digitale Community, aber auch ein neues analoges Miteinander. Ein gemeinsames Projekt, bei dem sie ihren begrenzten privaten Raum nach außen tragen um einen gemeinsamen viel größeren Raum zu nutzen und diesen im Anschluss mit dem öffentlichen Raum zu teilen. Der Spannungspunkt ist bei diesem Projekt vor allem die Partizipation mit der Kommune.

„Das Netzwerk bildet sich durch die Mitwirkung der Nachbarn selbst. Menschen haben den Wunsch Teil von etwas zu sein und könnten dadurch interessiert sein. Gleichzeitig muss man sich auch die Frage stellen, welche Impulse aus der Gruppe selbst kommen können? Wie geht man mit Vorschlägen um, die vielleicht vorher nicht eingeplant waren? Es kann auch durchaus sein, dass die Idee im Allgemeinen funktioniert, aber eben nicht im Stavenhof. Die Nachbarn spielen eine wichtige Rolle.“

 Probleme kennen Sie alle drei. Bürokratie, städtische Auflagen und Anwohner können die Arbeit im öffentlichen Raum erschweren. In einem zweiten Projekt möchte Lia Sáile den Grundriss des Heimes mit Klebeband auf dem Ebertplatz sichtbar machen. Wieder interessiert sie dabei die Räumlichkeit und das Nachempfinden vom geteilten Raum. Verschiedenste kulturelle und religiöse Hintergründe teilen sich hier einen engen Raum, den die Künstlerin für die Besucher erfahrbar machen möchte.

Richtlinien und Sicherheitsvorkehrungen führen jedoch dazu, dass sie selbst das Heim nicht betreten darf oder Informationen über das Gebäude bekommt.

“Es ist zu diesem Zeitpunkt noch offen, ob es der reale oder ein imaginärer, auf den Grundmaßen des Hauses basierender Grundriss wird, den ich am Ebertplatz präsentieren werde.”

Georg Dietzler weiß vor allem aus seiner langjährigen Erfahrung, dass sich mit der Zeit immer mehr Barrikaden entwickelt haben, die man überwinden muss, damit man überhaupt noch im öffentlichen Raum tätig sein kann. Diese Barrikaden kennt auch das CityLeaks Festival.

Wem gehört die Stadt?

Wie kann man die Stadt selbst neu gestalten? Wie sehen zukünftige Modelle für ein Miteinander in der Stadt aus? Was ermöglicht und erfordert der urbane Raum im Zusammenleben? Diese Fragen wollen das Festival und die Künstler gemeinsam mit Bürgern  und Wissenschaftlern diskutieren – räumlich und partizipativ. Hoffentlich stoßen sie dabei nicht auf geschlossene Türen.

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artrmx e.V.  | CityLeaks Urban Art Festival

Hospeltstraße 69
50825 Köln, GER
+49 (0)221 29 49 69 59
info@cityleaks-festival.com

© 2016 ALL RIGHTS RESERVED, artrmx e.V.

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CityLeaks Programm 2017

Hier gibt es viele spannende Workshops und Kunstprojekte zu entdecken. Mitmachen erwünscht. Informationen zu den Deadlines unter OPEN CALLS.

Das Festival startet am 01. September mit einer Eröffnungsfeier auf dem Ebertplatz. Am Samstag den 02. September geht es dann mit dem Grand Opening mit Livemusik, Aftershowparty und vielen Ausstellungseröffnungen der kooperierenden Galerien weiter.

Ausstellungen, Workshops, Podien, Vorträge und Stadtspaziergänge, Performances, Urban Hacking, Murals, Installationen, u.v.m.

Der Infopoint des Festivals auf dem Ebertplatz ist täglich von 10 bis 18 Uhr geöffnet.

  • Informationen zum Programm und Festival
  • BesucherInnenumfrage zum Festival
  • Anmeldungen für den Speaker’s Corner (täglich von 17:50 bis 18 Uhr) hier

Viel Spaß!

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CityLeaks Akademie 2017

Unter dem Titel „Sharing Cities“ eröffnet die vierte Ausgabe des CityLeaks Urban Art Festivals. Die globale und explosionsartige Urbanisierung führt zunehmend zu einer Ausbeutung und ungerechten Verteilung von Ressourcen und Verschmutzung der Umwelt. Kommerzialisierung und soziale Fragmentation bestimmen bis heute einen großen Teil unserer Städte. Der Ruf nach einer nachhaltigen Stadtentwicklung und einer Gesellschaft, die auf Commons (Gemeingütern) aufbaut, ist groß, und das Teilen von Ressourcen, Gütern, Wissen, Erfahrungen, etc. wird immer notwendiger.

Gemeinsam erforschen KünstlerInnen, Laien, und ExpertInnen in der transdisziplinären CityLeaks Akademie die Möglichkeiten einer lebendigen, nachhaltigen, und kreativen Stadt. Die -auch- kritische Auseinandersetzung mit Konsum, Raum und Digitalität steht im Fokus der Akademie. Unterstützt werden wir von KünstlerInnen, WissenschaftlerInnen und ExpertInnen, die sich zusammen mit dem Publikum den Herausforderungen einer “Sharing City” stellen. Sie erörtern mit uns Fragen zu urbanen Transformationen und wie BürgerInnen daran teilhaben könnten, forschen zu solidarischer Ökonomie, Konsum, Bedürfnissen, Beschleunigung und Digitalität. Und sie laden uns ein, in unterschiedlichen Workshops ein wenig tiefer einzutauchen und mitzumachen. Die Inhalte der Akademie werden im Prozessraum auf dem Ebertplatz dokumentiert. Zudem können alle Vorträge per Livestream auf unserer Website mitverfolgt werden.

Die CityLeaks Akademie ist mitten im Stadtgeschehen verortet. Für 2017 ist ihr Ort das Festival Center auf dem Ebertplatz. Hier findet ein großes Angebot an Workshops, Podien, Vorträgen und Stadtspaziergängen uvm. statt.

Hier geht es weiter mit Informationen zu den TeilnehmerInnen sowie zum Programm!

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Journal "Sharing Cities"

In unserem Journal findet ihr allerlei Hintergrundgeschichten, Interviews und Eindrücke vom Festival. Im Laufe der Festivalzeit wird das Journal stetig wachsen und euch informieren.

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CITYLEAKS URBAN ART FESTIVAL

Der Infopoint des Festivals auf dem Ebertplatz ist täglich von 10 bis 18 Uhr geöffnet.

Vom 01. bis 24. September 2017 findet die vierte Ausgabe des internationalen CityLeaks Urban Art Festival statt. 2017 interveniert das Festival unter dem Titel “Sharing Cities” in der Kölner Altstadt-Nord. Die Verbindung von Kunst und Stadt als Motor, Utopien, Ideen und Konzepte von Urbanität zu denken, ist ein zentraler Aspekt von CityLeaks.

Die Schirmherrin des Festivals ist Gabriele Hammelrath (SPD, MdL)

CityLeaks ist ein biennales Festival für zeitgenössische urbane Kunst und Kultur und das seit 2011. Der öffentliche Stadtraum ist unser Aktionsort und die Kunst das Medium. CityLeaks begibt sich im September auf eine dreiwöchige urbane Expedition. Unterstützt werden wir von vielen Akteuren, aber vor allem von den KünstlerInnen. Sie geben Impulse und erobern den öffentlichen Raum in Köln: Hausfassaden verwandeln sich in großformatige Gemälde, Performances durchmischen das alltägliche Stadtgeschehen, Lichtinstallationen und Videoprojektionen machen die Architektur zu Stars der Nacht und konzeptionelle Kunstprojekte dringen in urbane Systeme ein. Insgesamt besuchten bisher weit über 100 internationale KünstlerInnen auf Einladung von CityLeaks Köln. Genres wie Performance, Urban Hacking, Installation, Mural-Malerei oder Neue Medien zeigen ein große Bandbreite zeitgenössischer urbaner Kunst. CityLeaks erschließt vernachlässigte Orte, bespielt außergewöhnliche Architektur und strebt nach partizipativem Kunsterleben. Ausstellungen, Touren, Gesprächsrunden, Workshops und Musik erweitern das Programm. Die Zusammenarbeit und der Austausch mit lokalen, regionalen und (inter) -nationalen Netzwerken aus Kultur, Politik, Wissenschaft und Wirtschaft, der Dialog mit BürgerInnen, Nachbarschaften und Publikum sowie die Förderung von Teilhabe an kreativen Diskursen zum Thema Stadt zeichnen den Charakter des Festivals aus.

CITYLEAKS FESTIVAL CENTER - EIN PLATZ FÜR ALLE

Als Sitz des Festival Centers wird CityLeaks im September einen Ort bespielen, der für das städtische Gemeinwesen sowie den Kölner Enthusiasmus für städtebauliche Großprojekte symbolträchtiger kaum sein könnte: Der Ebertplatz in der nördlichen Kölner Innenstadt.

Das Berliner Künstler- und Architektenkollektiv ON/OFF baut im gemeinschaftlichen Prozess mit allen Interessierten ein organisches und wandlungsfähiges Festival Center zu gestalten, das den Platz durch Tribünen in eine Arena verwandelt. Den BesucherInnen bietet es Möglichkeiten zum Verweilen, Arbeiten und Austausch sowie eine temporäre Bühne an. Im Festival Center am Ebertplatz entsteht ein Ort zum gemeinsamen Denken, Handeln und Verweilen. Das Festival Center bietet vom 1. bis zum 24. September 2017 Freiräume für künstlerische, soziale, nachhaltige und subversive Interventionen und gewährt Einblick in den wissenschaftlichen Diskurs zum Themenbereich Urban Commons. Denn was macht eine Stadt lebenswert? Wie viel möchte ich mitgestalten? Wie viel Ich ist Stadt? – das sind Fragestellung, zu denen die eingeladene KünstlerInnen und TeilnehmerInnen der CityLeaks Akademie gemeinsam mit BürgerInnen gebeten werden, Stellung zu beziehen.

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CITYLEAKS FESTIVAL CENTER - EIN PLATZ FÜR ALLE

Als Sitz des Festival Centers wird CityLeaks im September einen Ort bespielen, der für das städtische Gemeinwesen sowie den Kölner Enthusiasmus für städtebauliche Großprojekte symbolträchtiger kaum sein könnte: Der Ebertplatz in der nördlichen Kölner Innenstadt.

Das Berliner Künstler- und Architektenkollektiv ON/OFF baut im gemeinschaftlichen Prozess mit allen Interessierten ein organisches und wandlungsfähiges Festival Center zu gestalten, das den Platz durch Tribünen in eine Arena verwandelt. Den BesucherInnen bietet es Möglichkeiten zum Verweilen, Arbeiten und Austausch sowie eine temporäre Bühne an. Im Festival Center am Ebertplatz entsteht ein Ort zum gemeinsamen Denken, Handeln und Verweilen. Das Festival Center bietet vom 1. bis zum 24. September 2017 Freiräume für künstlerische, soziale, nachhaltige und subversive Interventionen und gewährt Einblick in den wissenschaftlichen Diskurs zum Themenbereich Urban Commons. Denn was macht eine Stadt lebenswert? Wie viel möchte ich mitgestalten? Wie viel Ich ist Stadt? – das sind Fragestellung, zu denen die eingeladene KünstlerInnen und TeilnehmerInnen der CityLeaks Akademie gemeinsam mit BürgerInnen gebeten werden, Stellung zu beziehen.

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